Bikekitchen Augsburg

Wir lieben Fahrräder

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Drei Jahre Bikekitchen

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Die Bikekitchen Augsburg ist drei Jahre alt geworden. Ein Facebook-Freund hat uns kürzlich kritisiert und das damit begründet, er möchte uns einen Spiegel vorhalten, damit wir unser Tun reflektieren. In den drei Jahren Bikekitchen habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir uns ständig hinterfragen und erneuern. Sonst hätten wir es gar nicht so lange geschafft.

Die erste Zeit war vom Aufbau geprägt, von der Beschaffung der Ausstattung, vom Lernen mit dem Umgang mit Gästen. In der nächsten Phase haben wir viel darin investiert, auf uns aufmerksam zu machen. Als die Gäste regelmäßig und zahlreich kamen, offenbarten sich Spannungen mit unserem Dachverein, dem ADFC Kreisverband Augsburg, denn wir haben die Räume immer weiter in Beschlag genommen. Wir waren gezwungen, stark auf Ordnung und ständiges Aufräumen, Umsortieren und Optimieren zu achten. Mit vielen Gesprächen haben wir immer wieder zusammengefunden.

Als noch mehr Gäste kamen, haben wir den öffentlichen Raum vor unserer Türe genutzt, um überhaupt zurecht zu kommen. Als uns das von der Stadt wegen der Klagen eines Nachbarn verboten wurde, haben wir erneut umdenken und umplanen müssen. Diese Zeit war geprägt von der – erfolglosen – Raumsuche und nochmaligem Optimieren der Räume, um ein paar Quadratmeter herauszuquetschen. Zuletzt hat unsere neue Vermieterin die Lagerräume im Keller inspiziert und einige Änderungswünsche geäußert. Dies bedeutete für uns erneut viele Extra-Abende, die wir mit Ausmisten, Ausschlachten und Umsortieren verbrachten, mitten in der Hauptsaison.

In der letzten Zeit haben wir uns politisch mehr engagiert und stärker in Augsburg vernetzt. Wir haben uns bei der Auftaktveranstaltung zur „Fahrradstadt 2020“ geäußert und an einem städtischen Abteilungsleiter-Treffen zum Thema Winterdienst für Radfahrer teilgenommen. Wir haben die Polit-WG unterstützt, damit sie an der Stadtratswahl teilnehmen konnte. Wir haben uns an der Freiraum-Demo beteiligt und zusammen mit anderen Initiativen auf unsere Belange aufmerksam gemacht.

Wir haben uns klar gegen die AfD positioniert. Deren Vorsitzender und seine Stellvertreter versuchten mit einigen alternativen Projekten Kontakt aufzunehmen und sich als Gesprächspartner anzubieten. Wir haben das – wie die anderen Projekte auch – abgelehnt, und zwar einstimmig und grundsätzlich.

In den letzten drei Jahren haben wir viele Eigenbauten auf die Räder gebracht. Wir werden dabei immer erfahrener und schneller. Die Komplexität und Größe der Projekte nimmt zu. Wir haben zusammen mit der Bikekitchen München für die dortigen Aktiven bei uns ein Tallbike gebaut. Mit unseren Freakbikes besuchen wir regelmäßig Veranstaltungen und sorgen für gute Stimmung und Eindrücke vom Fahrradfahren, die über den städtischen Verkehr und das Freizeitradeln hinausgehen. Wir bringen unser Verständnis von Fahrradkultur nach Augsburg.

Wir sind offen für den Besuch von Flüchtlingen, die bei uns ihre Fahrräder reparieren können. Zeitgleich unterstützen wir das Projekt VOLLDABEI, das sich speziell um Fahrräder für Flüchtlinge kümmert, zur Zeit in der schlimmen Gemeinschaftsunterkunft Calmbergstraße. Im letzten Sommer haben wir gemeinsam mit VOLLDABEI das erste Augsburger Fahrradcamp durchgeführt. Dort haben wir im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl unsere Freundschaft mit dem Bristol Bike Projekt besiegelt.

Seit einem halben Jahr öffnen wir ab und zu auch am Montag, nach spezieller Ankündigung. Die Arbeiten im Hintergrund, um die Werkstatt regulär öffnen zu können, nehmen zu. Wir bitten die Menschen um Unterstützung, in dem sie uns zwei Stunden ihrer Zeit schenken und dafür im Anschluss die Werkstatt mit etwas mehr Platz als sonst nutzen können.

In diesem Jahr sind außerdem einige neue regelmäßige Mitmacher und Mitmacherinnen dazugekommen, die das Bikekitchen-Team vergrößern und den Spaßfaktor erhöhen. Wir haben vor Kurzem ein regelmäßiges Plenum eingeführt, um Entscheidungen auf einer breiteren Basis zu treffen. Dazu gehören verstärkt politische Diskussionen.

Die Spendeneinnahmen sind in 2013 wieder gestiegen, weil die Gästezahl steigt. Die Ausgaben folgen diesem Trend, wir setzen das Geld für die Verbesserung und Erneuerung der Werkstattausstattung ein.

Wir werden die Bikekitchen wie gewohnt fortführen, bleiben aber gedanklich flexibel und politisch aktiv, um für unkommerzielle Projekte bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Es geht uns nicht nur um uns selbst, wir wollen Augsburg ein Stück weit mit verändern. Wir können uns eine Zukunft an einem anderen Standort mit mehr Freifläche gut vorstellen, sehr gerne auch gemeinsam mit vergleichbaren Projekten. Diese Zukunftsperspektive werden wir im Auge behalten und verfolgen.

Vielen Dank an Euch alle, für eure Besuche in der Bikekitchen, für Geld- und Materialspenden, für Weiterempfehlungen, für die gute Laune, die Ihr mitbringt und für alle schönen Begegnungen rund ums das Fahrradfahren.

geschrieben von Stefan, Bikekitchen

Freiraum-Demo mit der Bikekitchen Augsburg am 3. Mai 2014

freiraum demo augsburg bikekitchen

Die Demo findet am Samstag den 3. Mai statt.
Start ist um 14.00 am Jakobertor.
Die Route führt zum Moritzplatz, dort findet die Kundgebung statt.

Wir gehen auf die Straße für mehr Freiräume in Augsburg. Zusammen mit

Wir fordern eine Akzeptanz unserer Mitmenschen für öffentlich sichtbare Bikekitchen-Aktivitäten wie das Reparieren von Fahrrädern auf dem Bürgersteig. Wir fordern eine unterstützende Politik der Stadt für unser Projekt. Wir sind längst an unsere räumlichen Grenzen gestoßen. Die temporäre Nutzung der öffentlichen Fläche vor unserer Werkstatt wurde uns untersagt. Bürgerschaftliches Engagement muss in der Innenstadt bleiben und sichtbar sein. Kreative Aktivität darf nicht in geschlossene Räume oder an den Stadtrand gedrängt werden.

Aufgrund der mehrfachen Anzeigen eines Nachbarn untersagte uns 2013 das Tiefbauamt, das in Augsburg für den Straßenverkehr zuständig ist, jegliche Reparaturtätigkeit vor unserer Tür. Die Straße gilt als reiner Verkehrsraum statt vielseitiger Lebensraum. Wir wurden in 2012 und 2013 angezeigt wegen Lärmbelästigung, unerlaubter Sondernutzung der Straße und unerlaubtem Abstellen von Fahrrädern. Im letzten Jahr haben wir deshalb sehr aktiv nach neuen Räumen gesucht und dabei schlechte Erfahrungen gemacht:

Bei unserer Raumsuche haben wir die Medien informiert und fast alle politischen Parteien bzw. Fraktionen um Rat gefragt. Viele Volksvertreter_innen reagierten darauf. Eins eint sie alle: sie zeigen schnelles Interesse und lassen mit wenigen Ausnahmen in ihrer Unterstützung ebenso schnell wieder nach. Es gibt keine städtischen, politischen Ideen, wie man mit uns umgehen kann. Die Mittel und die städtische Struktur fehlen oder werden nicht genutzt. Trotz Ankündigungen und Versprechen politischer Vertreter haben wir die Liste des Liegenschaftsamtes mit freien städtischen Gebäuden nie gesehen. Gewerbliche Vermieter_innen auf dem freien Markt haben wir auch angesprochen, ohne Erfolg. Eine reduzierte Miete für einen gemeinnützigen Verein passt eben nicht zum Geschäftszweck „Immobilienbewirtschaftung“.

Wir wollen deshalb für unsere Anliegen werben und am städtischen Leben aktiv teilnehmen und es gestalten. Wir möchten gute Gesprächspartner_innen sein, die auf der einen Seite mit ihren Freakbikes, Lastenrädern und Fahrrad-Aktionen für ungewöhnliche Aufmerksamkeit sorgen, auf der anderen Seite auch zu ernsten Themen sachlich und qualifiziert Meinungen vertreten.

Wir wollen mithelfen, Augsburg zu verändern. Wir sind für

  • ein fahrradfreundliches Augsburg, das mehr als eine Worthülse ist.
  • eine erhebliche Reduktion des Autoverkehrs in Augsburg, vor allem im Zentrum.
  • eine Willkommenskultur und Menschlichkeit gegenüber den Augsburger Flüchtlingen.
  • eine überwachungsfreie Lebensumgebung und eine zurückhaltende Augsburger Polizei gegenüber den Fahrradfahrer*innen.
  • eine Kultur der Achtsamkeit und Offenheit im Miteinander, dem kritischen Umgang mit Konsum, dem bewussten Umgang mit Ressourcen.
  • eine Stadt mit Freiräumen für individuelle und alternative Lebensgestaltung.

Wir sind gerne Augsburger_innen, wir sind gerne aktive Augsburger_innen. Als Fahrradfahrer_in ist man ständig sichtbar, in Kontakt mit seinen Mitmenschen. Auf unseren Spezialfahrrädern sogar in besonderem Maß. Öffentlichkeit ist manchmal anstrengend, soziales Miteinander aber die Grundlage unserer Gesellschaft. Unserer Stadt ginge es besser, wenn mehr Menschen ohne motorisierte Hülle sichtbar wären. Wenn sich unsere Kinder wieder risikofrei in den Straßen aufhalten könnten.

Wir lieben Fahrräder und engagieren uns für eine lebendige, sichtbare Augsburger Fahrradkultur.

Sichtbare Fahrradkultur vor dem Verbot:

DCIM100MEDIA

Leere Gasse ohne Leben nach dem Verbot:

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Video- und Fotoshow im Asylbewerberheim

Unsere Freunde Susanne und Holger haben Filme und Fotos vom Augsburger Fahrradcamp und anderen Fahrrad-Aktionen in der Gemeinschaftsunterkunft Calmbergstraße gezeigt. Der Nachmittag war auch als weihnachtliches Fest organisiert, sogar der Nikolaus war da. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Forum Flucht und Asyl und im Rahmen der Lokalen Agenda 21 statt.

Wir waren auch dabei und haben neue Kontakte mit Flüchtlingen geknüpft. Einige kennen wir schon als Stammgäste in der Bikekitchen. Die Feier war eine gute Gelegenheit, die Lebensumstände der Asylbewerber besser kennenzulernen. Die Unterkunft ist die schlimmste in Augsburg, was den Zustand der Räume angeht. Es ist bemerkenswert, dass die Flüchtlinge das aushalten. Sie haben keine Wahl.

Mehr Infos: http://volldabei.org/wer-klopft-denn-da/

Hier ein paar Fotos von dem schönen Nachmittag:

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