Wir lieben Fahrräder

Kategorie: sonstwas (Seite 11 von 17)

Retrodirect: die Muskelkatermaschine

Einen Retrodirect-Antrieb wollten wir bauen, seit wir 2012 auf dem Cyclocamp bei Leipzig einen Eigenbau ausprobieren konnten. Ein Retro direct ist ein Zweigang-Antrieb ohne Schaltung. Vorwärts und rückwärts getreten treibt er das Fahrrad immer vorwärts an, entweder über das kleine oder das große hintere Ritzel. Während der Fahrt kann beliebig die Drehrichtung der Pedale geändert werden.

Wir haben derzeit zwei gleich große Ritzel verbaut, so dass mit gleicher Übersetzung in beide Richtungen getreten werden kann. Also eher als Spaßfahrrad denn als Tourenfahrrad mit Berggang.

Kompliziert ist die Kettenlinie. Vorne nur ein Kettenblatt, hinten zwei mit Abstand dazwischen, dazu noch die Umlenkrolle: alle Zahnräder wollen einigermaßen gerade angelaufen werden. Wir sind kurz davor, das hinzubekommen. Unter großer Last läuft die Kette beim Vorwärtstreten noch an der Umlenkrolle ab. Doch unsere Konstruktion ist einstellbar, so dass wir das justieren können.

Die Halterung für die Rolle ist eine plattgedrückte Gabelscheide aus einem Kinderrad. Sie ist an der Aufnahme für den Seitenständer verschraubt. Die Umlenkrolle besteht aus einer halben Vorderradachse, einer Innenlagerschale, einem Achskonus plus Lagerkugelring, einem Ritzel, einem Konterring sowie ein paar Achsmuttern.

Das Hinterrad hat eine Schraubkranzaufnahme. Das innere Ritzel dreht man zur Hälfte auf das Schraubkranzgewinde. In die freie Hälfte schraubt man die Innenlagerschale, aber nur  zu deren Hälfte. Auf den freien Teil kommt dann das zweite Ritzel. Mit Spacern stellt man passende Abstände her.

Die Details sind nicht leicht in Worten zu beschreiben. Komm bei Interesse in die Bikekitchen und sieh es Dir in echt an und mach eine Probefahrt. Beim Rückwärtstreten werden andere Muskeln beansprucht. Das Klapprad ist ab jetzt eine Muskelkatermaschine.

Die Bikekitchen lebt

Ein persönlicher Kommentar von Stefan

Gestern war eine Bewährungsprobe für die Bikekitchen: die Hütte voll bis unter das Dach mit Reparaturwilligen. Es geht, die Bikekitchen lebt. Nicht so gut wie vor der Schließung der Freifläche, aber das haben wir inzwischen akzeptiert. Und es macht weiterhin Spaß. Nach dem Schrauben sitzen und stehen Gäste und Team zusammen vor der Tür und genießen die Gemeinschaft. Der klagende Nachbar wohnt nicht im Gässchen vor unserer Tür, sondern gegenüber an der Hauptstraße. Er dürfte sich vor allem an den menschlichen Geräuschen gestört haben. Er hat ein Jahr gekämpft, aber wenig gewonnen.

Bei unserer Raumsuche haben wir die Medien informiert und fast alle politischen Parteien bzw. Fraktionen um Rat gefragt. OB Gribl, CSU und CSM haben sich gar nicht gemeldet. Die anderen Volksvertreter teilweise recht schnell. Eins eint sie alle: der Wille ist da, die Mittel und die städtische Struktur für solche Fälle fehlen. Die Hilfe besteht darin, die Information weiterzutragen. In die Behörden, die Medien und andere Kontakte. Das führt zu einem Kreislauf, bei dem die Nachricht am Ende manchmal wieder bei uns landet. Es ist wichtig, dass unsere Situation bekannt wird. Ein „ja, das ist möglich. Sie werden, wenn Sie dies und das unternehmen, früher oder später einen subventionierten Raum finden, mit städtischer Unterstützung – oder können es zumindest probieren“ war bisher nicht dabei. UPDATE: ich habe gerade die Nachricht bekommen, dass gestern unser Anliegen im Stadtrat besprochen wurde. Das freut mich, ich hoffe auf eine positive Entwicklung für uns.

Gewerbliche Vermieter auf dem freien Markt haben wir auch angesprochen, bisher ohne Erfolg. Eine reduzierte Miete für einen gemeinnützigen Verein passt nicht zum Geschäftszweck. Einen Erfolg können wir vermelden: Der SKM Augsburg Kath. Verband für soziale Dienste e.V. erlaubt uns donnerstags die Benutzung seines Innenhofes in der Klinkertorstraße neben der Tankstelle. Auch wenn der Aufwand groß ist, Werkzeug, Montageständer und Ersatz-/Verbrauchsteile dorthin zu bringen, dient das als Ergänzung, wenn es noch voller wird. Die Entfernung lässt zu, für ein benötigtes Ersatzteil „mal schnell rüber“ in der BK zu gehen. Wir wollen es zumindest probieren.

Bei Euch, unseren Gästen, bedanken wir uns für die Geduld an solchen Tagen wie gestern. Wir schaffen es nicht, jedem sofort zu helfen. Wir bemühen uns aber, dass am Ende jeder zufrieden ist. Bringt Zeit mit und Gelassenheit. Wir stellen fest, dass nach kurzer (Warte-)zeit die Eigeninitiative zunimmt. Wir erleben, dass sich Gäste austauschen, um sich gegenseitig zu helfen. Das freut uns, das ist unsere Idee von einer offenen Gemeinschaft.

P.S. Durch die gestiegene Vorbereitungszeit sind wir oft schon gemeinsam früher da. Trotzdem und gerade deshalb können wir vor 18.00 Uhr nicht wirklich bei Reparaturen helfen.

Die Straße bleibt schön frei. Wir bleiben eine öffentliche Gemeinschaft.

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„Schrauben, schwatzen, speisen“: die Bikekitchen im Augsburg Journal

augsburg journal - Bikekitchen Augsburg

Das Augsburg Journal hat in der Mai-Ausgabe einen „Rad-Report“ veröffentlicht, zur Radverkehrs-Situation in Augsburg. Mit Interviews und Berichten. Eine halbe Seite über die Bikekitchen ist auch dabei. Das Gute an den sieben Spezial-Seiten ist: sie beschäftigen sich tatsächlich mit der Augsburger Situation für Fahrradfahrer und sind keine Werbeschau der Augsburger Fahrradhändler.

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